Altarbild Mauthausen

„400 Jahre Pfarre Mauthausen – Wir starten ins 5. Jahrhundert!“

Altarbild Mauthausen, Öl auf Leinwand, 2014

Mit diesem Motto feierte die Pfarre Mauthausen ihr Jubiläum in den Jahren 2013/2014. Das neue Altarbild ist ein solcher Schritt in die Zukunft der Pfarre. Es will durch seine Gestaltung menschliche Bedürfnisse unserer Zeit mit Grundhaltungen christlicher Spiritualität in Beziehung bringen.

Das Bild ist eine Einladung an alle, die in die Pfarrkirche kommen, sich Zeit zu nehmen und zu schauen. Es regt an, achtsam persönliche Gedanken und Gefühle wahrzunehmen. Die Frage, wo in diesem Bild eine Spur Gottes und der christlichen Botschaft zu finden ist, kann an das eigenene Erleben gestellt werden. Es will zum Gebet ermutigen, das ein Suchen oder Klagen sein darf und ein Danken oder Loben. Gleichzeitig ist es wie eine Bitte, tiefer zu schauen und zu hören, was von Gott her kommt.

Das Bild möchte den Betrachtenden zusagen, dass sie und ihr Leben Platz haben bei Gott. Alle Ebenen, Schattierungen und Facetten, in denen Menschen unterwegs sind, sind hineingenommen in Gottes Entgegenkommen. Die anderen Bilder und Darstellungen am Hochaltar und in der Kirche werden durch die einladende Offenheit dieses Bildes selber zu einem Teil davon. Sie bekommen eine besondere und neue Aufmerksamkeit. So wirken die Abbildung der Dreifaltigkeit, das Osterlamm und der Tabernakel mit hinein als Symbole dafür, dass Gott den Menschen das Leben schenkt und für sie mit Liebe und in geschwisterlicher Nähe da ist. Jetzt gegenwärtig und für eine Lebendigkeit, die alles Tote überwinden wird.

Thomas Pree, Pfarrassistent Mauthausen


In der Pfarrkirche Mauthausen haben sich acht barocke Wechselbilder für den barocken Hochaltar um und nach Martin Johann Schmidt erhalten. Sie sind Teil der Tradition des barocken Wandelaltares. Dabei konnten Bilder anlässlich des jeweiligen liturgischen Festes ausgetauscht werden.

Dieser theatralische Effekt kam dem Schaubedürfnis des barocken Menschen entgegen. Der Altar wurde zu einer Art „Bühne“, auf der die Hauptszene des liturgischen Festes zu sehen war. Generell war der Wechsel der Gegenstände, die in der liturgischen Feier verwendet wurden, häufig: So wurden bei Hochfesten oder Kirchweihen die Festtagsleuchter auf den Altar gestellt, während unter der Woche die einfacheren Garnituren Verwendung fanden. Auch die Gewänder der Priester wurden nach den Festen gewählt, es gab prächtiger ausgeführte und einfachere, jede liturgische Farbe war in unterschiedlichen Ausführungen vorhanden. Auch beim liturgischen Gerät, wie bei den Messkelchen, waren Prunkkelche für die Hochfeste und einfache Kelche für Feiern im Jahreskreis in größeren Kirchen Teil der barocken Ausstattung.

Heute wird der Hochaltar zum Aufbewahren von konsekrierten Hostien verwendet, die Feier findet am Hauptaltar (Volksaltar) statt. Umso mehr kann die Tradition des Wechselbildes wieder an Bedeutung gewinnen, um das Geschehen am Hauptaltar zu illustrieren.

In der Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst hat die Pfarre Mauthausen bereits im Jahr 2002 mit der Gestaltung der liturgischen Orte und der Lichtstiege von Katarina Matiasek eine „neue Tradition“ begründet. Mit dem Wechselbild von Adelheid Rumetshofer wird dieser Weg, die Gegenwart in der Ausstattung des Kirchenraumes sichtbar zu machen, konsequent fortgesetzt. Während die barocke Bildtradition den BetrachterInnen biblische Szenen in erzählerischem Ductus vor Augen führt, stellt Adelheid Rumetshofer zwei Farben ins Zentrum: Rot und Blau. Mit diesen Farben werden Fragen nach Grenzen, Verbindungen und der Präsenz des Verborgenen sichtbar gemacht. Das Bild stellt sich in seiner Reduktion der Bilderflut des alltäglichen Lebens entgegen. Darüber hinaus fordert es heraus, die unterschiedlichen Bildschichten, die sich in der abstrakten Komposition verbergen, zu entdecken.

Der Kirchenraum wird mit dem neuen Wechselbild von Adelheid Rumetshofer einmal mehr zu einem Ort der Menschen einlädt, die Schwelle des Alltags zu überschreiten und sich in Stille und Konzentration auf die leisen Töne, das scheinbar Verborgene und das Neue und Fremde einzulassen.

Kunstreferat und Diözesankonservatorat der Diözese Linz


Ein gotischer Kirchenbau, darin ein barocker Hochaltar mit einem wertvollen Bilderzyklus, moderne Altarraumgestaltung, eine imposante Orgel, farbenprächtige Glasfenster und noch vieles mehr – all das fügt sich in der Pfarrkirche Mauthausen zu einem Gesamtwerk, zu einem Instrument, das schwingt. Diese Kirche erlebe ich als positiven Ort der Kraft.

Gegenwärtige Malerei in den Kontext historischer Kunst zu stellen, in und zu diesem Gefüge einen weiteren, nicht unwesentlichen Teil schaffen (zu dürfen) stellt eine verantwortungsvolle und herausfordernde Aufgabe.
Das neue Bild soll sich einbinden in die Gesamtheit des Raumes, mitklingen in diesem Konzert der Jahrhunderte und eine zusätzliche Stimme sein.

Es will aber vor allem eines: den Menschen ins Zentrum rücken. Es ist eine Einladung an alle, näher zu kommen, einen Augenblick zu verweilen, innezuhalten. In einen Dialog zu treten mit sich selbst, nach außen und nach innen und darüber hinaus zu blicken, Fragen zu stellen oder Antworten zu finden. Besinnung auf das Menschsein. Kontemplation und Stille, Wahrnehmung und Erleben. Die reduzierte, ungegenständliche Gestaltung des Bildes ermöglicht assoziationsfreie Betrachtung.
Pulsierende Farbräume im Wechselspiel des Lichts. Ein Leuchten aus sich heraus.

Adelheid Rumetshofer